Merit / Flow

Es war allerdings ihre mathematische Begabung, die ihre Zukunft gestaltete. Sie hatte eine hohe Affinität zu Computern und schien deren Sprache zu sprechen, als wäre es eine normale Fremdsprache. Schon in der Highschool wurde eine Firma auf sie aufmerksam, die Software für unterschiedlichste Branchen entwickelte, und sie versuchten ihr eine Ausbildung und späteren Job bei denen Schmackhaft zu machen. Doch sie entschied sich lieber für ein Studium. Sie wollte sich nicht so jung schon verpflichten. Sie wollte schauen, welche Möglichkeiten die Welt noch bereithielt. Und das war auch gut so, denn die Colleges rissen sich regelrecht um sie. Sie ging schließlich nach Harvard, mit einem Vollstipemdium. Sie verbrachte viel Zeit im Computerraum, lernte aber auch ein paar Leute kennen, mit denen sie Zeit verbringen und sich austauschen konnte. Dort lernte sie auch Daniel kennen, der zu dem Zeitpunkt allerdings schon kurz vor seinem Abschluss stand. Er studierte Physik und nach dem Studium ging er in ein Energieunternehmen mit eigener Forschungseinrichtung etwas außerhalb von Boston. Sie hatten sich das Ziel gesetzt, neue Energien zu finden, oder zu schaffen. Saubere Energien, nachhaltig und bezahlbar. Wenn man ihnen glauben konnte, würde sie bald in der Lage sein die Welt zu retten. Naja, ein bisschen übertreiben muss man wohl, wenn man finanziert werden will….das erklärt vermutlich auch den Namen: Greenergy. Daniel zumindest war voller Enthusiasmus, und ihm glaubte sie mit jeder Faser, dass ER den Wunsch hatte die Welt zu retten.

Als Merit schließlich mit ihrem Studium fertig war, holte Daniel sie ebenfalls in dieses Unternehmen. Sie bräuchten gute Entwickler und Programmierer zur Unterstützung der Forschungen und zu Sicherung des laufenden Betriebes. Immerhin war es ein großes Energie-Unternehmen und keiner will wegen einem Computerfehler plötzlich ohne Strom dastehen. Nach dem Studium musste Sie ja erst einmal Fuß fassen und Geld verdienen und da fand sie es nicht verkehrt, das in einem Unternehmen zu tun, die sich die Rettung der Welt auf die Fahne geschrieben hat. Sie arbeitete hauptsächlich an den Programmen für die Forschung, was es ihr ermöglichte viel Zeit mit Daniel zu verbringen und außerdem die Forschungen live mitzuverfolgen, was nicht uninteressant war. Mit ihrem mathematischen Geist hatte sie auch ein gewisses Verständnis für die physikalischen Grundsätze und Daniel wurde es nicht müde ihr zu erklären, woran er arbeitete. Und Daniel wiederum halfen die Gespräche mit Merit, eröffnete sie ihm so andere Perspektiven und Sichtweisen, an die er vorher nicht gedacht hatte und die durchaus hilfreich bei seiner Arbeit waren. Im Laufe der Zeit wurden die beiden beste Freunde. Die Forschungen gingen voran. Wenn man Daniel glauben konnte, und das tat Merit, hatte ein Kollege gerade einen entscheidenden Durchbruch, der nun genauer berechnet und untersucht werden musste. Alle arbeiteten auf Hochtouren. Wenn seine Berechnungen stimmten und andere das bestätigten, könnte es den Energiemarkt komplett umwerfen. Natürlich wäre es mit den Berechnungen nicht getan, es müsste auch noch die Möglichkeit der Umsetzung geschaffen werden, doch die Forschenden hätten den Nobelpreis sicher.
Es waren nur drei Physiker an den Berechnungen beteiligt, Daniel war einer von ihnen.

Doch der Durchbruch sollte nie kommen. Es war schon spät am Abend, fast Nacht, die meisten Mitarbeiter von Greenergy waren schon nach Hause gegangen. Nur der harte Kern, der die Anlagen nachts überwachte war noch da. Ebenso die drei Physiker, die an diesem Abend noch lange nach ihrer Zeit unermüdlich an ihren Berechnungen arbeiteten. Und Merit, die an einem Software-Problem arbeitete, dass die Energieversorgung im Kraftwerk belastete. Der Fachmann, der sich sonst um dieses Programm kümmerte, lag krank im Bett. Die Grippe ging gerade um, und es hatte ihn wohl schwer erwischt. So hing sie noch eine Schicht ran, damit Teile der Ostküste nicht plötzlich im Dunkeln dastanden. Sie versuchte das Problem zu lokalisieren, und fand es schließlich im Bereich des Umspannwerks. Das konnte sie von hier nicht lösen, und sie brauchte einen Techniker dazu. Also rief sie die Bereitschaft an und machte sich anschließend direkt auf den Weg ins Umspannwerk, um sich dort mit dem Techniker zu treffen. Sie war früher da, ging schon direkt zu dem Computer, loggte sich ein und las die Fehlerspeicher aus. Sie wollte den Techniker nicht länger als nötig aufhalten, das Problem sollte schnell gelöst sein.

Und dann war da plötzlich Dunkelheit.

Seiten: 1 2 3 4 5 6