Merit / Flow

Im Laufe der Zeit lernte Merit nicht nur, ihre Entladungen zu kontrollieren, sie lernte auch wieder sich selbst in reine Energie zu transformieren. Im Grunde das, was sie am Anfang erlebt hatte, nur eben kontrolliert. Inzwischen war es auch nicht mehr so dunkel. Sie lernte auf eine andere Art zu sehen, Energien zu sehen, solang sie in dieser Gestalt war. Sie konnte durch Strom- und Datenleitungen reisen. Mit Daniel zusammen entwickelte sie eine Möglichkeit das Strom- und Datennetz der Stadt über eine Stadtkarte zu legen. So konnte Daniel ihr am Anfang noch die Wege weisen, bevor sie lernte sich zu orientieren.  Dummerweise schaffte sie es nicht, ihre Kleidung mitzutransformieren. Das war schon ein Problem. Sie konnte sich nicht einfach irgendwo wieder manifestieren. Sie musste entweder zum Ort zurück, wo sie ihre Klamotten gelassen hatte, oder an verschiedenen Stellen Klamotten deponieren. Das war auf Dauer ziemlich lästig. Deshalb nutzte sie die Art zu Reisen vorerst nur als Übungs-Sessions.

Dieses Problem löste sich auf unerwartete, aber sehr willkommen Weise.

Als sie sich eines Nachts auf ihrer Patrouille mit ein paar Schurken zu viel anlegte, kam ihr plötzlich ein Feuer zur Hilfe. Aber nicht irgendein Feuer, sondern eine menschliche Fackel, DIE menschliche Fackel. Merit konnte es kaum glauben. Natürlich hatte sie von ihm gehört, und von den anderen der Fantastic Four. Wer hätte hier mit ihnen rechnen können. Sie war nach dem Kampf etwas außer Atem und auch etwas lädiert, aber sie grinste übers ganze Gesicht, als Johnny Storm ihr die Hand hinhielt, um ihr aufzuhelfen. „Ich bin ein großer Fan“, war das Erste, was sie sagte, und was ihm direkt zum Lachen brachte. Er fragte ohne große Umschweife, wer sie sei und was das für Fähigkeiten sind, die sie da hatte. Er hatte natürlich einige ihrer Kräfte gesehen, hatte aber noch nichts von ihr gehört. Er war nur zufällig in der Gegend. Die Blitze hatten ihn aufmerksam gemacht. (Zu ihrem Glück). „Merit“, entgegnete sie auf seine Frage. „Flow“, korrigiere sie schnell, und biss sich dann auf die Zunge. „Verdammt, das muss ich noch üben“. Er lachte wieder. „Du machst das noch nicht so lange, was?“ Sie schüttelte den Kopf. Es war schon fast morgen, aber er war neugierig, also lud er sie in ein kleines Café zum Frühstück ein, wo sie sich eine ungestörte Ecke zum Reden suchten. Sie erzählte von ihren Fähigkeiten und er wurde hellhörig, als sie von Ihrer Fähigkeit sprach ihren physischen Körper in reine Energie zu verwandeln und durch Leitungen zu reisen. Als er hörte, dass sie dabei jedes Mal ihre Klamotten zurücklassen musste, wurde er kurz nachdenklich. Sie redeten aber nicht nur über sie. Merit hatte auch viele Fragen, immerhin hatte sie zum ersten Mal die Möglichkeit, einen echten Superhelden auszufragen. Aber irgendwann musste Johnny dann auch los, und Merit sollte sich auch unbedingt eine Mütze voll Schlaf holen. Merit bedankte sich noch einmal für Johnnys Hilfe und für das Frühstück und das Gespräch… und sie verabschiedeten sich.

Ein paar Tage später bekam sie eine E-Mail von Johnny. Er lud sie ein, ihn im Baxter Building in New York zu besuchen, was sie natürlich sofort annahm. Sie war fürchterlich aufgeregt. Johnny stellte ihr seinen Schwager Reed vor (Mister Fantastic höchstpersönlich). Reed redete eine ganze Weile unter vier Augen mit ihr. Johnny hatte ihm anscheinend von Merit/Flow erzählt. Er bat ihr an, ihr einen Anzug zu entwickeln, der sich ihrem Energiemuster anpasste und somit nicht zerfiel oder zerstört wurde, wenn sie in ihren Energiekörper wechselte. Sie würde dafür allerdings eine Weile für Test dortbleiben müssen. Auf ihre Frage hin, was er dafür im Gegenzug haben wollte, denn viel Geld hatte sie nicht, lächelte er nur und sagte: „rette die Welt“. Die Interpretation dieser Worte überließ er ihr selbst, aber sie glaubte zu verstehen, wie er das meinte. Sie willigte ein, dankbar sogar, und Reed machte sich sogleich an die Arbeit. Merit informierte noch Daniel über die Situation und der war ein kleines bisschen neidisch, aber er war auch froh, dass Merit Kontakte schloss und Hilfe bekam.

Reed machte viele Tests, erforschte Merits Energiesignaturen, und am Ende bekam sie einen Anzug, der sich perfekt an ihren Körper schmiegte, und jeder Veränderung ihrer Energie standhielt. Für den endgültigen Test, rauschte sie einmal quer durch die New Yorker Leitungen, und als sie wieder im Labor des Baxter Buildings ihre physische Form annahm, war der Anzug immer noch unversehrt. Sie war begeistert und strahlte über das ganze Gesicht. Der Anzug war der Hammer. Reed reichte ihr noch eine Kapuze, die sie an den Anzug anknüpfen konnte, wenn sie wollte, und eine Maske für die Augen. Er wusste, dass nicht jeder bereit war, seine Identität so öffentlich preiszugeben, wie die Fantastic Four es taten. Merit war sehr dankbar dafür. Für alles. Denn abgesehen von dem Anzug, hatte sie auch einiges von Reed und den anderen lernen können.

Zurück in Dartmouth drückte sie Daniel einen USB-Stick in die Hand. Merit hatte natürlich auch von Daniel erzählt, und Reed hatte ihr diesen Stick für ihn mitgegeben. Sie wusste nicht was drauf war, und ließ Daniel allein, als er ihn ansah. Tatsächlich fand Daniel darauf eine persönliche Nachricht von Reed (Merit erfuhr nie, was diese Nachricht besagte), und er bekam die Pläne des Anzugs und sämtliche Testresultate. Daniel war ganz aus dem Häuschen. Mit der Hilfe dieser Daten, konnte er einen Earplug entwickeln, der es ihnen erlaubte mit Hilfe von Morsezeichen in Kontakt zu bleiben, während sie „auf Reisen“ war.

Sie hörte auf zu spielen und ihre Gedanken kehrten zurück in die Gegenwart. Sie ging zum Fenster.  Es hatte zu regnen begonnen. Ein leises „Mau“ ließ sie zur Seite auf den kleinen Schreibtisch neben dem Fenster blicken. Sie ging zu Isis und ließ ihr Finger durch das hellgraue Fell gleiten. Ihr Blick blieb auf dem Briefumschlag hängen, auf dem die Katze saß. Sie nahm den offenen Umschlag und zog den Brief heraus. Sie hatte ihn gefühlt schon tausend Mal gelesen. Die Risen Heroes luden sie ein, bei ihnen vorstellig zu werden. Es erschien ihr eine gute Möglichkeit. Sie konnte dort lernen, und mit anderen, die so waren wie sie, zusammenarbeiten. Sie hatte in letzter Zeit immer mehr das Gefühl, hilflos durch die Zeit zu driften, ohne wirklich etwas zu bewirken. Die Risen Heroes könnten ihrem Leben eine Richtung geben. Sie dacht an Daniel. Sie wollte ihn ungern allein lassen. Aber er hatte sich hier gut eingelebt. Er hat neue Kollegen, neue Freunde. Er hat seine „Verschwörungs-Angst“ von damals fast vergessen. Und die eine Kollegin… da könnte doch mehr sein. Merit grinste bei dem Gedanken. Vielleicht würde es beiden guttun. Er sollte ebenfalls sein Leben finden und Merit hatte das Gefühl, sie stand ihm dabei im Weg, auch wenn er das nie so sehen würde. Sie seufzte und blickte wieder auf ihre Katze. „Ob ich Dich wohl mitnehmen darf?“…

Merit

Bild: KI-Generiert

Flow

Bild: KI-Generiert und Photoshop

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