Tharlesa Talvis – eine D&D Backstory
In Tharlesa brodelte es. Der Schock, der sich in ihr breit machte, war kaum zu ertragen. In diesem Moment brach ihre Welt zusammen, erneut, und alles stürzte auf sein ein. Ihr Kopf überflutete sich mit Erinnerungen, Gedanken, Fragen, Verstehen und Entsetzen. Sie sah ihre lieblose Kindheit, die Blicke, die Schmähungen, die Steine, die Albträume, die Traurigkeit, die Abscheu im Blick ihrer eigenen Mutter, das Messer. Sie sah ihren Bruder, freundlich, neugierig auf die Welt, voller Hoffnung. Sie sah seine Hand, die Tränen in seinen Augen, der Pfeil… getötet, damit sie tötet. Was für ein kranker Grund. Ihr Kopf fühlte sich an, als würde er bersten. Sie krümmte sich vor Schmerz. Sie sah die Zeit mit Valkis, den Halbelfen und all den anderen. Sie begriff die Manipulationen, die Falschheit. Was war noch richtig. Welche Gedanken, welche Werte waren ihre und welche nur in ihren Kopf gesetzt? Zu spät. Sie begriff es einfach zu spät. Es füllte ihr Herz mit unsäglicher Enttäuschung und Trauer und Wut. Wut auf Valkis und auf sich selbst. Und sie spürte Angst.
Wie durch einen Nebel, sah sie die drei Männer näherkommen. Und sie war kaum in der Lage, ihr Messer zu heben. Verteidigung schien aussichtslos. Ihr Kopf, ihr ganzer Körper schien zu brennen. Sie sank auf die Knie, Tränen liefen über ihr Gesicht. Und als sie glaubte es kaum noch aushalten zu können, schrie sie auf, lies jedes Gefühl, dass sie in den letzten Sekunden durchlebt hatte, hinaus. In dem Moment breitete sich eine Energiewelle von ihr aus, die Valkis und seine Männer zu Boden riss, und für einen kurzen Moment orientierungslos zurücklies. Und in genau dem Moment wurde Tharlesas Kopf wieder klar. Sie erkannte ihre Chance, nahm ihr Messer, sprang zu Halavor und schnitt mit einer schnellen Bewegung seine Kehle durch. Das gleiche tat sie mit Falben, und dann drehte sie sich Valkis zu. Der sah sie erschrocken an, begriff nicht was gerade passiert war. Er griff nach dem Messer, dass er im Fallen losgelassen hatte, doch Tharlesa war schneller. Sie stellte ihren Fuß auf das Messer, stieß Valkis zurück und beugte sich zu ihm runter. „Siehst Du?“ flüsterte sie und sah im direkt in die Augen „ich kann töten. Ich brauche nur einen Grund.“ Und dann stieß sie ihm ihr Messer ins Herz. Und sie empfand nichts dabei. Keine Wut, keine Befreiung, keine Schuld. Er hatte es verdient. So einfach.
Ihr war klar, dass sie nicht in Zadash bleiben konnte. Sie nahm von den drei Toten das bisschen Gold, dass sie dabei hatten, und ihre Messer. Sie holte ihren Rucksack aus einem Versteck in der Nähe, wo sie ihn zurückgelassen hatte – bei der Mission wäre er nur hinderlich gewesen – und dann schlich sie über Umwegen aus der Stadt. Ihren Namen ließ sie zurück. Keiju Tywyll starb in dieser Nacht zusammen mit Valkis.

Sie zog weiter nach Süden. Der Weg war lang, und gab ihr viel Zeit ihr Leben und ihre Entscheidungen zu überdenken. Alles was sie glaubte zu sein, alle Werte und ihre Sicht auf die Welt kamen von Valkis. Das verstörte sie. Woher sollte sie nun wissen was richtig und was falsch war? Sie konnte ja nicht einfach mit irgendwelchen Leuten darüber sprechen. Assassinen lebten einsam, das wurde ihr gerade klar. Ja, sie nahm weiterhin Aufträge auf ihrer Reise an. Es war alles, was sie gelernt hatte, und das Töten fiel ihr nicht schwer. Sie empfand keine Freude oder Befriedigung dabei, wie manch anderer, aber sie empfand auch keine Schuld. Sie schwor sich allerdings, nie so zu werden, wie die „Kollegen“ in Zadash. Sie fragte sich, wie ihr Leben wohl gewesen wäre, wäre sie mit Ihrem Bruder in Zadash gelandet. Was hätte sie dann gelernt? Welchen Beruf hätte sie ergriffen? Er hätte ihr mit Sicherheit andere Werte in den Kopf gesetzt. Wie konnte sie ihn nur vergessen. Sicher hatte sie an ihn gedacht, aber immer in Verbindung mit dem Wunsch seinen Tod zu rächen. Hätte sie sich früher auf sein Wesen, seine Seele besonnen, hätte sie vielleicht schon viel eher angefangen Valkis zu hinterfragen. Aber Spekulationen brachten sie nicht weiter. Es war wie es war. Sie musste nun allein klarkommen.

