Tharlesa Talvis – eine D&D Backstory

Sie begann nur noch Aufträge anzunehmen, wenn der Auftraggeber bereit war, ihr den Grund zu nennen. Nicht weil sie darüber urteilen wollte. Es erinnerte sie stets daran, wie sich hatte täuschen lassen. Es war am Ende die Frage nach dem Grund gewesen, die die Wahrheit offenbarte. So wurde es zu einem persönlichen Tick von ihr. Ihr war klar, dass ihr dadurch einige Aufträge entgangen. Wer einen Assassinen anheuert, will sich ungern rechtfertigen. Schließlich sollte der Lohn Grund genug sein. Aber das war ihr in dem Moment egal. Sie konnte einfach nicht anders. Sie notierte sich die Gründe in einem kleinen Buch. Nur die Gründe, keine Namen, oder ähnliches. Sie las sich oft diese Gründe durch, in der Hoffnung irgendein Muster zu erkennen, woran die Leute ihre Werte messen. Schwierig. Sie war sich auch nicht sicher, ob die Erkenntnis sie irgendwie anders handeln lassen würde. Sie konnte auch nicht richtig nachvollziehen, wieso das Handwerk, das sie ausübte, so negativ bewertet wurde. Was glaubten die Leute denn, wozu die Schwerter benutzt werden, die ein Schmied fertigt. Aber sie war neugierig. Also versuchte sie es. Was schadete es schon.

Doch war die Suche nach einem moralischen Kompass nicht alles, was sie auf ihrem Weg beschäftigte. Dieser Ausbruch, den sie dort in der Gasse hatte. Diese Ansammlung von Energie, die ihr das Leben gerettet hatte… was war das gewesen? Sie hatte absolut keine Idee, keine Erklärung. Doch da so etwas die nächste Zeit nicht wieder passierte, stellte sie diese Frage erst mal zurück.

Sie nahm auf ihrer Reise auch andere Arten von Aufträgen an. Diebstähle, Spionagen, was immer ihr Gold brachte. Sie vermied es allerdings sich in zu komplizierte Dinge hineinziehen zu lassen. Wenn es zu politisch wurde, oder um Machtkämpfe zwischen Klans ging, lehnte sie ab. Ohne eine gut organisierte Gilde im Rücken, die im Notfall gewisse Strippen ziehen kann, war ihr das zu heikel. Allerdings waren solche Angebote sowieso eher selten. Mächtige Leute haben mächtige Kontakte. Nur ganz selten würde so jemand in direkten Kontakt mit einer Einzelperson gehen, um wichtige Dinge zu regeln. Das läuft fast immer über Gilden und Organisationen. Und damit war sie vorerst fertig.

Sie nannte sich von nun an Tharlesa Talvis. Talvis in Erinnerung an ihren Bruder, dass sie ihn nie wieder vergisst. Sie wandere etwa zwei Jahre von einer Stadt zur nächsten. Zuerst weiter nach Süden, dann an der Menagerie Küste entlang bis nach Port Damali.

Port Damali gefiel ihr. Es war eine sehr große Stadt, mit den unterschiedlichsten Einwohnern. Jemand wie sie fiel hier nicht allzu sehr auf. Seit einiger Zeit stellte sie Veränderungen physischer Art an sich fest. Die Hörner, die einst ein schmutzigen Grau-Braun waren, bekamen neuerdings goldene Schimmer. Und an einigen Stellen veränderte sich ihre Haut. Zuerst hielt sie es für einen Ausschlag, es juckte manchmal fürchterlich. Aber wenn das Jucken nachließ und der Schorf abfiel, blieb etwas zurück, was irgendwie stark an Schuppen erinnerte. Es waren zum Glück nur kleine Stellen und sie verdeckte sie so gut es ging. Sie wurde auch so schon genug angestarrt. Doch hier in Port Damali nahm kaum einer Notiz von ihr. Das gefiel ihr. Außerdem gelang es ihr hier, so etwas ähnliches wie ein normales Leben aufzubauen. Zumindest nach außen hin. Dabei bekam sie Hilfe, die sie so nie erwartet hätte.

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