Tharlesa Talvis – eine D&D Backstory
Es war in einer kalten Winternacht, in einem kleinen, abgelegenen Dorf, als ein kleines Mädchen ihren ersten Atemzug in dieser Welt machte, nicht wissend, dass sie fortan um jeden Atemzug würde kämpfen müssen.
Sie schrie nicht, wie andere Kinder nach der Geburt. Sie weinte auch nicht. Sie sah mit großen Augen hinauf auf die Menschen um sie herum, streckte ihre kleinen Ärmchen aus, und erfuhr zum ersten Mal die Zurückweisung, die das Schicksal ihr zugedacht hatte. Levine starrte voller Abscheu auf dieses kleine Ding mit den silbernen Augen, das sie gerade zur Welt gebracht hatte, und Garrik blickte es und seine Frau nur verständnislos an. Die Hebamme war erschrocken zurückgewichen und saß nun am anderen Ende des Raumes, nicht wissend was sie sagen sollte.
Es war ihr Bruder, Talviron, der sie schließlich auf den Arm nahm und in ihr Kindbett brachte. Ihn störten die kleinen Hörner nicht, und auch nicht der Schwanz. Er liebte sie vom ersten Moment an, hatte er sich doch seit er denken konnte ein kleines Geschwisterchen gewünscht. Es hatte nicht viel Hoffnung gegeben, dass seine Mutter noch einmal ein Kind bekommen würde. Doch manchmal geschahen noch Wunder, auch wenn seine Eltern das nicht erkannten.
Sie nannten sie Púki, was im Grunde nichts anderes heißt als ‚Dämon‘. Im Laufe der Zeit änderte sich der Name ein paar Mal. Heute lebt sie unter dem Namen Tharlesa Talvis. Ihre Geschichte ist tragisch, wie die Geschichte der meisten Tieflinge.

Das Dorf Berleben lag tief im Labenda-Sumpf. Die Hälfte der Stadt versank schon vor langer Zeit. Ein Teil der Häuser wurde inzwischen auf Stelzen gebaut, in der Hoffnung, dass sie die Jahre überdauern mögen. Das Leben dort war nicht einfach, die Gegend hatte nicht viel zu bieten und es wundert nicht, dass sich hier nur selten Außenstehende hin verirren. Die Isoliertheit des Ortes brachte die Bewohner nah zusammen. Jeder kannte jeden. Jeder wusste sofort, wenn etwas Ungewöhnliches passierte. Und ausgerechnet hier warf das Schicksal Tharlesa hinaus in die Welt.
Tharlesas Geburt war ein Schock für das gesamte Dorf. Ein Unglückszeichen, ein dunkles Omen. In diesem Dorf hatte es noch nie einen Tiefling gegeben. Woher auch? Die Leute, die hier lebten, kamen nicht viel rum. Es gab viel Gerede. Wer trug wohl das infernale Blut in sich? Levine, dessen Mutter immer als leicht verrückt galt, als sie noch lebte? War das vererbbar? Oder doch Garrik, der Tischler, von dem niemand wusste, warum er sein Talent in diesem Sumpf vergeudete. Hatte er etwas zu verbergen? Ja, es wurde viel getuschelt. Doch das schlimmste war, dass auch Garrik und Levine sich kaum noch ansehen konnten. Auch in ihnen brodelten die Fragen. Garrik arbeitete mehr als jemals zuvor. Er ging aus dem Haus, bevor die Kinder wach wurden und kam oft erst spät abends zurück. Und wenn er in die große Stadt fuhr, um seine Holzarbeiten zu verkaufen und Reparaturleistungen anzubieten, blieb er immer länger fort. Levine brachte es nicht fertig ihrer kleinen Tochter in die Augen zu sehen, geschweige denn, sie in den Arm zu nehmen. Sie gab ihr die Schuld daran, dass ihre Familie auseinanderbrach.

