Tharlesa Talvis – eine D&D Backstory
Tharlesa verließ das Gebäude, und erschrak wieder leicht, als sie Jax Stimme vernahm, der draußen auf sie gewartet hatte. Sie schüttelte innerlich nur noch den Kopf. Verdammt, wie macht der das?
Jax blickte sie fragend an, und sie zuckte mit ebenso fragendem Blick mit den Schultern. Jax deutete ihr mit einer Kopfbewegung an, ihm zu folgen, und Tharlesa folgte ihm. Irgendwie mochte sie diesen Kerl. Sie gingen in eine Taverne, setzten sich in eine ruhige Ecke, er bestellte zwei Bier, und dann redeten sie. Er vermutete bereits, was Narrakas ihr angeboten hatte, und er konnte sehen wie es in ihrem Kopf hin und her ging. Vermutlich führte sie gerade eine lebhafte Diskussion mit sich selbst. Der Gedanke ließ ihn schmunzeln. „Rede mit mir“, forderte er sie auf. „Was beschäftigt dich?“ Ohne allzu sehr ins Detail zu gehen, erzählte Tharlesa ihm von ihren Erfahrungen mit einer anderen Gilde. Bessere Aufträge zu bekommen, und gewisse Kontakte zu haben, klangen wirklich verlockend. Aber sie wollte sich keiner Gilde verpflichten, und sie befürchtete, dass dieses Angebot am Ende nur eine Verpflichtung durch die Hintertür ist. Jax nickte. Er verstand diese Befürchtungen. Doch war ihr anscheinend nicht klar, dass dieses Geschäftsmodell, was Narrakas ihr angeboten hatte, durchaus nicht unüblich ist. Sicher, eine Gilde lebt durch den Zusammenhalt der Mitglieder. Je nach Gilde, stellt es für die Mitglieder eine Versicherung, eine Arbeitsgemeinschaft, oder auch eine Familie dar. Doch es gibt viele, die sich wie Tharlesa nicht binden wollen. Die aus den unterschiedlichsten Gründen, ihre Freiheit schätzen. Solche Leute werden dennoch auch oft von Gilden angeheuert. Es wäre dumm, würde man auf gute Leute verzichten, nur weil sie sich nicht verpflichten wollen. Jax hatte Tharlesas Talent sofort erkannt, als er sie mit den zwei Männern in der Gasse gesehen hatte. Und er gestand Tharlesa, dass er sie seitdem etwas beobachtet hatte und er gestand auch, dass er es war, der Narrakas auf sie aufmerksam gemacht hatte. Tharlesa war etwas überrascht über die Offenheit. Sie war sich nicht sicher, was sie davon halten sollte, was Jax ihr gerade erzählt hatte, aber sie schätzte seine Ehrlichkeit. Nach weiteren zwei Bier redeten sie nicht mehr über dieses Angebot, sondern über Gott und die Welt. Sie alberten herum, dachten sich Geschichten über die anderen Gäste in der Taverne aus und lachten viel. Es lag eine gewisse Leichtigkeit in diesem Abend. Tharlesa bemerkte außerdem, dass Jax extrem charismatisch sein konnte. Wenn er mit anderen Sprach, sprach er anders als mit ihr. Seine Stimme änderte sich ein wenig. Er schmeichelte, war wortgewandt und zog die Leute mit seinen Geschichten in den Bann. Er wickelte die Kellnerin ohne Mühe um den kleinen Finger, genauso wie jeden anderen in der Taverne. Sie beobachtete seine „Technik“ mit Erstaunen. Am Ende des Abends bezahlten sie nichts für die inzwischen fünf? Biere. Zumindest nicht aus eigener Tasche. Und was zu essen gab es noch obendrauf. Bevor sie sich schließlich vor der Taverne verabschiedeten, nahm Jax sie noch einmal kurz zur Seite. Er sagte ihr, dass egal wie sie sich entscheiden würde, sie nichts zu befürchten hatte. Und in seinem Blick lag etwas Wahrhaftiges.
Als die Woche Bedenkzeit verstrichen war, wartete Jax bereits in einer Gasse auf sie. Sie hatte ihn erwartet, trotzdem überraschte er sie wieder einmal. Irgendwann musste er ihr zeigen, wie er das machte! Jax brachte sie zu einem anderen Gebäude als letztes Mal. Sie redete wieder unter vier Augen mit Narrakas, und am Ende nahm sie sein Angebot an. So bekam sie nun auch bessere, lukrativere Aufträge. Und manchmal, wenn ein Auftrag besonders schwierig war, ließ sie sich sogar dazu überreden, in einem kleinen Team zu arbeiten. Sie lernte Dawala kennen, eine Tabaxi, und Thynei, ein Halb-Elf. Mit den beiden kam sie ziemlich gut klar.
Jax wurde ihr Vertrauter. Er vermittelte ihr Aufträge der Gilde, aber auch von anderen. Er war ihre Schnittstelle in einem riesigen Netzwerk. Er war ihr Erstkontakt, wenn sie Hilfe oder Informationen benötigte. Sie wussten immer genau, wie sie einander erreichen konnten. Und manchmal tranken sie einfach ein Bier zusammen.


Nachwort
Tharlesa ist ein Levistus-Tiefling. Und ein Multiclass-Character: Assassine/Sorcerer
Levistus herrscht über Stygia, der fünften der neun Höllen von Baator. Eingesperrt in einen riesigen Eisberg regiert er durch Telepathie.
Stygia besteht aus einem riesigen, gefrorenen Meer aus Salzwasser das fast vollständig gefroren ist. Eisberge und Eisschollen dominieren dieses Reich. Einzig der Fluss Styx schlängelt sich unbehindert mit seinem dunklen, öligen Wasser vom Salzwasser getrennt durch die Eisschichten, als würde er eine Ebene durchqueren.
Es ist das Reich des Verrats und der Isolation.
Tharlesa ist der erste Tiefling in ihrer Blutlinie. Niemand weiß, wer in ihrer Familie einst einen Pakt mit Levistus eingegangen ist, doch in ihr manifestiert es sich und sie wird darunter leiden müssen, obgleich sie nichts böses getan hat.
Doch ist das nicht alles, denn in ihr schlummert noch mehr. Das Blut der goldenen Drachen bahnt sich seinen Weg.

Spieltechnisch gesprochen:
Tharlesa begann als Rogue mit der Level 3 -Spezialisierung auf Assassine.
Mit Level 4 multiclasst sie in einen Dragonblood-Sorcerer. Blutline der goldenen Drachen.
Gegensätze sind hier also Programm:
die Dunkelheit und Kälte des Levistus. Silberne Augen, Silberweiße Haare, Frostzauber.
Und die Wärme und das Gute der Goldenen Drachen. Goldener Schimmer, zieht sich über Hörner und Schwanz, goldene Schuppen machen sich breit. Feuer wird in ihr entfacht.
Da ich wusste, dass ich in diese Richtung gehen wollte, habe ich das Drachenblut schon in die Hintergrundgeschichte mit einfließen lassen.
Der eigentliche „Durchbruch“ kam dann aber während des Spiels nach Level 4.