Tharlesa Talvis – eine D&D Backstory
…und sie ließ ihn verstreichen. Der Mann schwankte einfach weiter durch die Gasse, am Ende nach links, dann war er fort. Tharlesa trat aus ihrem Versteck und blickte in die Richtung, in der ihr Auftrag gerade verschwunden war. Was hatte sie nur getan? Oder eher, was hatte sie nicht getan? Das würde bestimmt Ärger geben. Vielleicht gaben sie ihr eine zweite Chance. Aber wollte sie das auch? So viele Gedanken rasten durch ihren Kopf, dass sie nur mit kurzer Verzögerung die drei Gestalten wahrnahm, die sich aus den Schatten lösten. Langsam kamen Valkis, Halavor und Falben auf sie zu. Valkis stand vor ihr, und sie sah die Enttäuschung in seinen Augen. Halavor und Falben umkreisten sie leicht und platzierten sich schließlich hinter sie.
„Ich bin wirklich enttäuscht von Dir“ fing Valkis an, und wollte von Tharlesa wissen, was das Problem war. Sie versuchte es ihm zu erklären. Er war doch ihr Mentor, ihr Freund. Er würde es verstehen.
Doch er schüttelte nur den Kopf, und seine Stimme klang emotionslos als er sprach. „Heute Nacht sollte ein Leben enden. Es liegt nun an Dir, welches.“ Und Tharlesa hörte, wie die beiden Halbelfen hinter ihr ihre Messer zückten.
Erschrocken blickte sie sich um. Sie hatte ihr Messer noch immer in der Hand. Dann blickte sie wieder zu Valkis, der ebenfalls sein Messer gezogen hatte. „Das kann nicht Dein Ernst sein.“ In Tharlesas Stimme spiegelten sich Unverständnis und auch ein wenig Angst, als sie Valkis ansah. „Ich dachte, wir sind Freunde, ich dachte…“ Valkis fiel ihr ins Wort: „Hier ist eine neue Lektion, Tharlesa: Leute wie wir haben keine Freunde.“ Und seine Augen waren noch nie so kalt gewesen, als er fortfuhr.
„Weißt Du, Tharlesa, wir sind immer auf der Suche, nach guten Leuten. Aber die Besten sind stets die, die wir selbst ausbilden. Als wir euch dort auf dem Weg nach Zadash sahen, hielt ich es für eine glückliche Fügung. Kinder sind noch so leicht formbar, und dann noch ein Tiefling…“ Er lächelte leicht. „Wir wissen doch alle, dass Tieflings-Kinder alleine kaum Chancen haben. Es war einfach perfekt. Wecke in diesem Kind noch den Wunsch nach Rache, und schon hast Du einen treuen Protegé, der nur zu willens ist, alles von Dir zu lernen.“ Er lachte kurz, und sah Tharlesa an. „Aber wenn Du nicht töten kannst, bist Du uns nicht von Nutzen!“ Die drei Männer fingen an Tharlesa zu umkreisen. Und Valkis stellte seine Frage erneut: „Also sag uns, welches Leben wird heute Nacht enden?“
Doch Tharlesa hörte ihn kaum noch. Die Worte die er zuvor sprach, brannten sich in ihren Kopf. „Als wir euch dort auf dem Weg nach Zadash sahen…“ Er hatte sie nicht erst im Wald gesehen. Er hatte sie schon vorher gesehen. Wie lange vorher? Es war geplant. Alles war geplant. Und die Erkenntnis stach so tief in ihr Herz, wie damals der Pfeil ins Herz ihres Bruders. „Du hast ihn getötet.“ Ihre Stimme war nur mehr ein Flüstern.
Valkis sagte nichts dazu. Ihm war klar, dass er sie mit dieser Aussage verloren hatte, und es ärgerte ihn, dass er nicht besser auf seine Wortwahl geachtet hatte. Vielleicht hätte er sie noch in die richtige Richtung drehen können… nun, es sollte wohl nicht sein. Er gab den anderen ein Zeichen. Heute Nacht würde es enden.

