Tharlesa Talvis – eine D&D Backstory

Tharlesa leistete sich ein kleines Zimmer über einer heruntergekommenen Taverne in einem eher schlechteren Viertel der Stadt. Das war nichts auf Dauer, aber fürs erste sollte es reichen, bis sie sich etwas Besseres leisten konnte. Sie tat was sie immer in einer neuen Stadt tat. Sie erkundete die Straßen, die Gassen, mögliche Fluchtwege, hörte sich etwas auf der Straße um, hielt nach Zeichen Ausschau, die ihr Aufträge bringen könnten. Eines Abends nach einem Besuch in einer der zahlreichen Tavernen, wurde sie in der Gasse von zwei Typen aufgehalten. Die waren betrunken und dachten anscheinend, sie hätten leichtes Spiel mit ihr. Tharlesa bemühte sich, die Situation auf normalem Weg zu klären. Sie war noch nicht lange in der Stadt und wollte nicht zu viel Aufmerksamkeit auf sich lenken. Aber volltrunkene Männer sind nun einmal dumm, und widerwärtig obendrein. Im Normalfall könnte man meinen, die beiden Kerle wären ihr an Körperkraft weit überlegen. Aber Tharlesa war um einiges flinker und geschickter als sie. Außerdem waren sie betrunken. Was sie an Kraft hatten, fehlte ihnen an Koordinationsvermögen. Es war kein großes Ding, diese Idioten in die Schranken zu weisen. Dabei zerriss Sie sich dummerweise den Ärmel ihres Hemdes, und sie fluchte leise, während die Männer das Weite suchten. Jetzt musste sie auch noch das Hemd flicken, und ihre Talente lagen doch eher woanders. Während sie noch immer leicht fluchend, ihr Hemd inspizierend, Richtung Ende der Gasse ging, um sich auf den Weg nach Hause zu machen, ertönte plötzlich eine Stimme aus den Schatten. „Geh zu Zanna.“ Sie drehte sich um, in die Richtung, aus der sie die Stimme vernommen hatte. Da stand ein Echsenmensch lässig an die Wand gelehnt, und sah sie etwas amüsiert an. Wie lange stand der da schon? Tharlesa dachte eigentlich immer, sie würde die Anwesenheit von anderen stets bemerken, aber diesen hatte sie nicht wahrgenommen… der war echt gut. Innerlich zollte sie im etwas Respekt. „Was hast Du gesagt?“ hakte sie nach. Er deutete auf ihren zerrissenen Ärmel, und wiederholte: „Geh zu Zanna.“ Und damit stieß er sich von der Wand ab, und schlenderte gelassen in die andere Richtung, bog um die Ecke und war fort. Tharlesa schüttelte verwirrt den Kopf und setzte ihren Weg fort.

Am nächsten Tag machte sie sich auf die Suche nach dieser ominösen Zanna. Sie war doch neugierig. Sie fand schließlich im Handwerkerviertel einen Laden, über dem ein Schild hing mit der Aufschrift „Zannas feine Gewänder“. Na toll, dachte Tharlesa, als ob sie sich feine Gewänder leisten könnte. So lange war sie noch nicht in der Stadt, dass sie schon so lukrative Aufträge bekommen hätte. Und ihr Zimmer war verdammt teuer, für so eine Bruchbude. Dafür wurde halt nicht gefragt…

Also gut, sie wollte sich diese Zanna wenigsten einmal anschauen. Sie betrat den Laden, ein kleines Glöckchen ertönte, und sie kam in einen Raum vollgestellt mit Regalen und Kleiderständern. Wunderschöne Kleider, edle Gewänder, teure Blusen und Hemden. Alles sah sehr gehoben aus. Hervorragende Stiche, feine Stickereien… die Dame beherrschte ihr Handwerk. Das waren Gewänder für Edelleute, reiche Kaufleute. Nichts für Normalsterbliche, oder gar Leute wie sie.

Nachdem sie ein paar Minuten durch die Gänge gewandert war – ohne etwas anzufassen natürlich, sie konnte es sich nicht leisten, hier etwas kaputt zu machen – wollte sie sich gerade wieder auf den Weg zur Tür machen, als sie plötzlich angesprochen wurde. Tharlesa erschrak leicht und stolperte gegen ein Regal. Was war das nur in dieser Stadt? Konnten sich hier alle so gut anschleichen? Die Frau stellte sich als Zanna vor – aha! – und fragte Tharlesa, ob sie helfen könne. Tharlesa bemerkte ihren Blick, der auf dem Ärmel ihres Hemdes hängen blieb, und fühlte sich leicht unbehaglich. Das hier war nicht die Art von Geschäft, in der sie einkaufen geht oder ihre Gewänder flicken lässt.

Sie entschuldigte sich und machte Anstalten zu gehen. Sie bemerkte nicht, dass bei dem Stolperer gegen das Regal ihr kleines Notizbuch aus der Tasche gefallen war. Als Tharlesa schon fast an der Tür war, bemerkte Zanna es, hob es auf, und las kurz einige Einträge. „Gewalttätiger Ehemann“, „Konkurrenz für sein Geschäft“, „Er hat ihren Vater getötet“, „Sie hat in betrogen – mit zehn unterschiedlichen Männern in nur einem Jahr“,…

In dem Moment blickte Tharlesa sich noch einmal um. Sie sah Zanna mit dem Buch, stürze auf sie zu, riss es ihr aus der Hand und funkelte sie böse an. Was fiel dieser Frau ein, einfach ihre Notizen zu lesen. „Was ist das?“ fragte Zanna ganz offen heraus. „Da ist privat“, entgegnete Tharlesa und wandte sich wieder der Tür zu. „Du versuchst die Beweggründe der Leute zu verstehen, nicht wahr?“ rief Zanna ihr hinterher. Tharlesa stockte, drehte sich aber nicht um. „Du willst herausfinden, wieso sie handeln, wie sie handeln.“, fuhr Zanna fort. Tharlesa drehte leicht den Kopf. „Das erkennst Du durch zwei Sekunden lesen?“ fragte sie und Zanna lächelte ein wenig „Du bist nicht die Einzige, die Probleme damit hat sich in dem Morast von guten Gründen und falscher Moral zurecht zu finden“ Nun hatte Zanna ihre Neugier geweckt. Sie drehte sich endgültig zu ihr um. „Was meinst Du damit?“

Zanna bedeutete ihr mit einem Kopfnicken, nach hinten zu kommen. „Lass uns reden.“. Damit ging sie an Tharlesa vorbei zur Tür, schloss sie ab, hängte das „Geschlossen“-Schild ins Fenster und löschte das Licht. Dann führte sie Tharlesa in den hintern Teil des Ladens, durch ein großes Zimmer, das ihr wohl als Nähwerkstatt diente, ging eine kleine Treppe hinauf, durch eine weitere Tür, in einen gemütlich wirkenden Wohnraum. Hier lebte sie anscheinend. Sie bat Tharlesa einen Platz an, und kochte Tee für beide. Tharlesa war das Ganze etwas unheimlich. Nicht dass sie das Gefühl hatte, es könnte gefährlich werden, aber so ein Verhalten war sie nicht gewohnt.

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